Eine Ampel ist typisch Mann. Schön einfach: Leuchtet das Ding rot, geht er aus dem Weg. Ist grün, freie Fahrt. Aber so funktionieren wir nicht. Der weibliche Zyklus ist keine Verkehrsregelung, sondern ein komplexes biologisches System mit Hormonen, Stimmungen, Energieleveln und körperlichen Veränderungen, die sich permanent verschieben.

Warum Männer keine Ahnung haben – und wir selbst oft auch nicht

Als wir angefangen haben, uns mit dem weiblichen Zyklus genauer zu beschäftigen – gerade rund um Training und Ernährung – haben wir natürlich unsere Partner mit eingebunden. Und die Reaktion war durchweg positiv. Nicht genervt, nicht abwehrend, sondern total beeindruckt. Beeindruckt davon, was Frauen eigentlich jeden Monat durchmachen.

Klar, dass einmal im Monat die Menstruation kommt, wissen sie. Aber dass es gefühlt eine Woche vorher schon losgeht? Dass Hormone wie Östrogen und Progesteron permanent unser Energielevel, unsere Stressverarbeitung, unseren Schlaf, unsere Motivation und unsere emotionale Reaktion beeinflussen? Das wissen die meisten Männer nicht. Und mal ehrlich: Wo sollten sie es auch herhaben?

Fun Fact

Einer unserer Partner hat sich tatsächlich die YOUCY-App runtergeladen. Nicht, um den Zyklus zu tracken, sondern einfach aus Neugier. Um zu verstehen, wie das Ding funktioniert. Und wir finden: Das ist ein ziemlich guter Anfang.

Biologische Veränderungen, keine Ausreden

Es sind biologische Veränderungen in unserem Körper. Permanent in einem Zyklus, gesteuert hauptsächlich durch die Hormone Östrogen und Progesteron. Diese Hormone beeinflussen unser Energielevel, unsere Stressverarbeitung, den Schlaf, die Motivation, die emotionale Reaktion und auch die Stressresilienz.

Vor allem in der Lutealphase – der zweiten Zyklushälfte, zusteuernd auf die Menstruation – sind viele Frauen dünnhäutiger. Wir können da nichts dafür. Das liegt an den Hormonen. Aber das heißt nicht, dass wir jeden Mist, den wir verzapfen, einfach auf den Zyklus schieben können. Vor allem, wenn der Partner weiß, in welcher Phase du stehst. Dann wird's schnell zur billigen Ausrede.

PMS ist real

Wenn du grundsätzlich nie mit Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen zu tun hast – herzlichen Glückwunsch. Dann bist du eine unter vielen. Aber es gibt eben auch viele andere, die wirklich mit PMS kämpfen. Und da reden wir von zwei bis sieben Tagen vor der Menstruation, die einfach manchmal richtig scheiße sind. Das muss nicht jeden Monat sein, aber wenn es kommt, ist es anstrengend. Für uns. Nicht für euch.

„Wir haben da gar keinen Bock drauf. Man wird biologisch da reingepresst, ob man das jetzt will oder nicht."

— Simone

Viele Frauen übergehen diese Phase, weil sie selbst keinen Bock haben, sich wehleidig zu sein oder rumzujammern. Wir haben auch gar keinen Bock auf Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen. Wir haben uns das nicht ausgesucht. Die Schmerzen sind einfach da.

Was hilft? Kommunikation, nicht Ampeln

Um Verständnis zu entwickeln, liebe Jungs, fragt nach. Oder liebe Frauen, kommuniziert einfach. Sagt: „Ey, ich habe gerade echt so ein krasses Unterleibziehen, das tut richtig weh." Dann weiß der Partner, dass es nicht an ihm liegt. Und kann sagen: „Okay, ich mache dir eine Wärmflasche. Leg dich hin, alles cool, Babe. Ich bring dir eine Packung Haribo."

Zykluswissen kann nicht nur unser Training und unsere Ernährung beeinflussen und verbessern, sondern auch einfach die Kommunikation in der Beziehung, wenn man da so ein bisschen Feingefühl aufbaut.

Was wir in den einzelnen Phasen brauchen

Menstruationsphase: Östrogen und Progesteron auf dem absoluten Low-Level. Viele sind sehr müde, die Schmerzempfindlichkeit ist erhöht. Studien belegen, dass Schmerzen und Entzündungsprozesse während der Menstruation tatsächlich erhöht sind im Vergleich zu den anderen Phasen. Von der Partnerseite hilft dann einfach Verständnis dafür zu haben, dass selbst die kleinste Kleinigkeit – arbeiten, einkaufen, Essen machen – manchmal unfassbar schwer fällt.

Follikelphase: Östrogen steigt. Die Energie kommt zurück. Die Stimmung hebt sich. Intensives Training ist jetzt besonders effektiv. Hier kann der Partner ruhig mal nachfragen: „Hey, hast du Lust auf eine gemeinsame Runde Sport?" oder „Wollen wir heute Abend was Aktives machen?"

Eisprung: Peak-Performance. Energie, Libido, Ausstrahlung – alles auf Maximum. Hier brauchen wir eigentlich am wenigsten Unterstützung. Aber Wertschätzung für das, was wir gerade leisten, ist immer gut.

Lutealphase: Progesteron steigt, Östrogen fällt wieder. Die Energie lässt nach, die Stimmung kippt manchmal. PMS kann sich ankündigen. Hier ist Geduld gefragt. Nicht wegducken, sondern da sein. Fragen: „Was brauchst du gerade?" statt „Was ist denn schon wieder los?"

Tipp für Männer

Stellt euch den Zyklus wie Jahreszeiten vor: Frühling (Follikelphase), Sommer (Eisprung), Herbst (Lutealphase), Winter (Menstruation). Das versteht jeder, auch abends nach einem langen Tag. Keine Bio-Klausur nötig.

Die Jahreszeiten-Metapher

Frühling, Sommer, Herbst, Winter. Das ist es. Mehr braucht ihr nicht. Ihr müsst nicht Follikelphase, Lutealphase, Progesteron, Östrogen auswendig lernen, auch wenn es natürlich nicht schadet. Aber wenn ihr euch einfach merkt, dass es vier Phasen gibt, die unterschiedlich sind, und dass wir in jeder Phase andere Bedürfnisse haben, dann seid ihr schon weiter als 90 Prozent der Männer da draußen.

Und dann seid ihr die Heroes beim nächsten Stammtisch. „Ach, eure Freundin hat schlechte Laune? Tja, ich weiß, in welcher Zyklusphase meine Frau gerade ist." Boom. Mic drop.