Wir haben eine Coaching-Ausbildung zur Female Performance Coach abgeschlossen. Viele Dinge haben wir bestätigt bekommen, die wir schon ahnten. Aber eines hat uns wirklich aufgewühlt — eine Zahl, die eigentlich alles erklärt, was in diesem Podcast bisher Thema war.

Die erschreckende Zahl

6%

So wenig Sportstudien wurden ausschließlich an Frauen durchgeführt.

Der Rest: gemischte Studien oder ausschließlich Männer als Probanden. Trainingspläne, Ernährungsempfehlungen, Belastungsgrenzen — alles basiert mehrheitlich auf Erkenntnissen aus der männlichen Physiologie.

Warum ist das so?

Die Antwort liegt im weiblichen Zyklus — ausgerechnet. Damit eine wissenschaftliche Studie gültige Ergebnisse liefert, muss sie bestimmte Gütekriterien erfüllen. Eine davon: die Probandinnen müssen unter möglichst gleichen Bedingungen untersucht werden. Bei Frauen bedeutet das: alle müssen zur gleichen Zeit in derselben Zyklusphase sein.

Das ist praktisch kaum umsetzbar. Kein Zyklus ist gleich, nicht einmal bei derselben Person von Monat zu Monat. Also wird der weibliche Zyklus als Störfaktor eingestuft — und Frauen werden aus vielen Studien schlicht ausgeschlossen.

„Nur weil es ein bisschen komplizierter ist, Frauen zu untersuchen, kann es nicht sein, dass man sagt: zu kompliziert, zu teuer, lassen wir es. Das Thema Gendermedizin ist noch immer wie Anno dazu mal."

— Verena Roscher

Anatomische Unterschiede zwischen Frau und Mann

Dabei sind die biologischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern erheblich — und sie wirken sich direkt auf Training und Leistung aus.

Frauen
  • Mehr Typ-1-Muskelfasern — ermüdungsresistenter, ausdauerstärker
  • Geringere fettfreie Muskelmasse
  • Fettverteilung hauptsächlich an Hüfte, Oberschenkeln und Bauch
  • Monatlicher Hormonzyklus über 21–35 Tage
  • Niedrigeres Fähigkeitsselbstkonzept — Erfolge werden seltener sich selbst zugeschrieben
Männer
  • Mehr Typ-2-Muskelfasern — mehr Kraft, mehr Explosivität
  • Höhere fettfreie Muskelmasse
  • Fettverteilung hauptsächlich im Oberkörper
  • Hormonzyklus dauert 24 Stunden
  • Höheres Fähigkeitsselbstkonzept — Erfolge werden stärker der eigenen Leistung zugeschrieben

Das Selbstbewusstsein der Frauen

Ein Punkt aus der Ausbildung, der über den Sport hinausgeht: Frauen haben im Durchschnitt ein niedrigeres Fähigkeitsselbstkonzept als Männer. Das bedeutet: Misserfolge werden auf die eigenen Fähigkeiten zurückgeführt, Erfolge auf äußere Umstände. Bei Männern ist es umgekehrt.

Im Alltag klingt das so: Ein gutes Training war "eigentlich ganz okay" oder "hat halt gut funktioniert heute." Ein Misserfolg: "Ich war einfach nicht gut genug." Wer kennt das? Das hat nichts mit mangelnder Leistung zu tun — sondern mit einem tief verwurzelten Muster, das es zu durchbrechen gilt.

„Mädels — hört auf, so mega selbstkritisch mit euch zu sein. Wenn ihr etwas gut gemacht habt, sagt es auch. Seid stolz auf das, was ihr leistet."

— Simone Reuthal

Genau das ist der Kern von Blondie Power: nicht nur den Körper verstehen, sondern auch die Muster, die uns zurückhalten. Wissenschaft, Selbstbewusstsein und ehrliche Gespräche — das gehört zusammen.

Folge 13 jetzt anhören

Gender Gap, anatomische Unterschiede und weibliches Selbstbewusstsein im Sport