Vor den Feiertagen wollen alle schnell abnehmen. Danach auch. Social Media liefert die Lösungen: Intervallfasten, Low Carb, Keto, Kombis aus allem. Was dabei oft vergessen wird: Diese Methoden wurden größtenteils an Männern erprobt. Und Frauenkörper funktionieren anders — besonders was den Hormonstoffwechsel betrifft.

Die drei Diät-Methoden im Check

Intervallfasten 16:8

16 Stunden fasten, 8 Stunden essen. Soll Fettstoffwechsel verbessern und Insulinausschüttung reduzieren.

Kann bei Frauen Hormonstörungen auslösen, den Eisprung hemmen und Zyklusunregelmäßigkeiten verursachen. Cortisol steigt durch das Fasten — und Cortisol konkurriert mit Östrogen und Progesteron.
Low Carb

Deutlich reduzierte Kohlenhydratzufuhr — Energie soll aus Fett gewonnen werden.

Zu wenig Kohlenhydrate stehen in Verbindung mit Schlafstörungen, verminderter Trainingsleistung und hormonellen Ungleichgewichten. Glykogen — der Treibstoff für intensives Training — fehlt.
Keto

Extreme Low-Carb-Variante: Der Körper soll in Ketose gehen und ausschließlich Fett verbrennen.

Besonders drastisch für Frauen. Bis der Körper in Ketose geht, leidet die Leistung massiv. Hormonstörungen, Schlafprobleme und Zyklusveränderungen sind häufige Folgen.

Warum Intervallfasten für Frauen besonders heikel ist

Das Hormonystem der Frau ist komplex — und empfindlich. Wenn der Körper über lange Zeit keine Energie bekommt, schaltet er auf Sparflamme. Was dabei passiert, ist eine Kette:

Die Cortisol-Kette beim Fasten
01Lange Fastenphasen erhöhen den Cortisolspiegel — der Körper interpretiert Nahrungsmangel als Stresssituation.
02Hoher Cortisolspiegel konkurriert mit Östrogen und Progesteron — der Körper "klaut" Geschlechtshormone für die Cortisolproduktion.
03Ohne ausreichende Hormone kann kein geregelter Eisprung stattfinden — der Zyklus wird unregelmäßig oder bleibt aus.
04Gleichzeitig speichert der Körper im Schutzmodus Fett, statt es zu verbrennen — der gegenteilige Effekt tritt ein.

„Du quälst dich durch das Fasten, um ein paar Kilo zu verlieren — und am Ende hast du einen gestörten Zyklus. Das ist keine gute Tauschbörse."

— Simone Reuthal

Besonders in der Menopause aufpassen

Auch für Frauen in der Menopause ist Intervallfasten keine empfehlenswerte Strategie. Durch das begrenzte Essfenster fehlen wichtige Nährstoffe — insbesondere Kalzium und Vitamin D, die für die Knochengesundheit essenziell sind. Da die Knochendichte in der Menopause durch den Östrogenmangel ohnehin abnimmt, ist ein Nährstoffmangel das Letzte, was der Körper jetzt braucht.

Was wirklich hilft

Kein Geheimrezept, aber bewährt: Weniger Zucker, weniger Alkohol, mehr Bewegung im Alltag. Drei bis vier Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten gibt dem Körper Zeit zu verdauen und Insulin abzubauen — ohne die extremen Auswirkungen eines 16-stündigen Fastenfensters. Wer etwas abnehmen möchte, fährt mit einer ausgewogenen Ernährung und einem moderaten Kaloriendefizit langfristig besser als mit jeder Radikalmethode.

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Fasten, Low Carb und Keto — warum Extreme selten funktionieren, vor allem für Frauen