Zyklusbeschwerden — ein Riesenthema. So groß, dass man ein ganzes Buch darüber schreiben könnte. Aber wir versuchen es trotzdem: Was sind die häufigsten Beschwerden? Wann ist etwas normal? Und wann solltest du wirklich zum Arzt gehen?

Dr. Manuela Bohr, Frauenärztin im Zentrum für Frauengesundheit Hanau, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Die häufigsten Beschwerden

Das Wichtigste zuerst: Schmerzen. Schmerzhafte Blutungen sind der Grund Nummer eins, warum Frauen in die Praxis kommen. Und das hat auch einen Grund. Heute nehmen viele Frauen keine Pille mehr — hormonfrei verhüten ist im Trend. Das bedeutet aber auch: mehr Zyklusschmerzen, mehr Zyklusstörungen.

Schmerzen

Starke Schmerzen während der Menstruation, die den Alltag beeinträchtigen. Frauen können nicht zur Arbeit gehen, liegen mit der Wärmflasche im Bett, brauchen regelmäßig Schmerzmittel.

Starke Blutungen

Blutungen, die so stark sind, dass der Hämoglobin-Wert leidet. Es entsteht eine Blutarmut, Frauen fühlen sich dauerhaft schlapp und müde. Mit Eisen alleine ist es nicht getan — beim nächsten Zyklus blutet man es wieder raus.

Zyklusunregelmäßigkeiten

Unregelmäßige Blutungen, die Periode bleibt aus oder kommt zu häufig. Im mittleren Alter zwischen 20 und 40 sind die meisten Zyklen regelmäßig — Abweichungen sollten abgeklärt werden.

Polyzystisches Ovar — PCO

Ein Erkrankungsbild, das in Hanau besonders häufig auftritt: PCO, polyzystisches Ovar. Die Periode kommt zu selten. Oft haben betroffene Frauen zu viele männliche Hormone und dadurch auch andere Beschwerden — Pickel, Haarausfall, Gewichtsprobleme.

Beim PCO ist der Eierstock ein kleines bisschen größer, und die Primärfolikel liegen wie eine Perlenkette am Rand. Dadurch kommt es seltener zu Eisprüngen — oft nur alle paar Monate statt jeden Monat. Das beeinträchtigt auch die Fruchtbarkeit.

PCO-Patientinnen haben oft auch andere Probleme mit Fettstoffwechsel und Zuckerstoffwechsel. Sie sollten sich auch beim Hausarzt untersuchen lassen. Die meisten haben viel Gewicht — aber es gibt auch PCO-Patientinnen, die nicht übergewichtig sind.

Wann zum Arzt?

Handlungsbedarf besteht, wenn: Du in jedem Zyklus viele Schmerzmittel brauchst. Der Alltag nicht mehr funktioniert — Arbeit, Schule, Sport fallen aus. Du regelmäßig im Bett liegen musst, weil die Schmerzen zu stark sind. Dann solltest du dich untersuchen lassen — und unter Umständen auch eine Therapie angehen.

Äußere Einflussfaktoren

Unser Alltag beeinflusst den Zyklus massiv. Stress ist der Hauptfaktor. Wenn wir Stress haben, wird Cortisol ausgeschüttet, Adrenalin steigt. Das kann direkt auf den Eisprung wirken — Blutungen fallen schwächer aus oder bleiben aus. Der Zyklus gerät durcheinander.

„Starke Schmerzen während der Blutung sind nicht normal. Wenn der Alltag nicht mehr funktioniert, solltest du zum Arzt gehen."

— Dr. Manuela Bohr

Prävention — was du selbst tun kannst

Regelmäßige Bewegung ist wichtig. Sport hilft nicht nur bei der Hormonbalance, sondern auch gegen Regelschmerzen. Daneben: eine gesunde Ernährung. Weniger Zucker, wenig Fett, viel Eiweiß, viel Gemüse. Und natürlich Krafttraining — mindestens zwei bis dreimal die Woche, auch zur Vorbeugung gegen Osteoporose.

Wichtig: regelmäßige Kontrollen

  • Einmal im Jahr zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt gehen — auch ohne akute Beschwerden
  • Bei starken Beschwerden lieber einmal mehr gehen als einmal zu wenig
  • Auch Zwischenblutungen können auf ein Problem hinweisen — besser einmal zu viel als zu wenig abklären lassen

Folge 26 jetzt anhören

Das vollständige Gespräch mit Dr. Manuela Bohr über Zyklusbeschwerden