In dieser Folge ist jemand zu Gast, der das, worüber wir seit fünf Folgen sprechen, täglich lebt — und öffentlich darüber schreibt. Kimi Schreiber ist Profisportlerin im Trailrunning, läuft 40 bis 60 Kilometer in einer Einheit durch Berge, über Steine und Wurzeln. Und sie schreibt. Offen, ehrlich, ohne Filter — auch über ihren Zyklus im Leistungssport.
Wie Kimi zum Trailrunning kam
Kimi ist mehr oder weniger zufällig in den Sport geraten. Ein Freund nahm sie in der Fränkischen Schweiz auf die Trails mit — und sie blieb. Heute sind 40 Kilometer für sie die Kurzstrecke. Was von außen extrem klingt, ist für Kimi der Alltag: 16 bis 20 Trainingsstunden pro Woche, inklusive Kraft, Mobilität und manchmal Long Runs von über fünf Stunden.
„Ich habe mich schon oft erwischt, wie ich eine wunderschöne Landschaft um mich herum hatte, aber sie verflucht habe. Und mich gefragt habe: Was zum Geier machst du hier eigentlich gerade, Kimi?"
— Kimi SchreiberDer Artikel, der Reaktionen auslöste
Im März veröffentlichte Kimi auf ihrer Homepage einen Artikel über den weiblichen Zyklus und Menstruation im Leistungssport. Titel: "Schritt für Schritt". Die Reaktionen: viele Frauen schrieben ihr, wie toll und mutig sie das fanden. Eine Reaktion, die Kimi nachdenklich machte.
„Es sollte zur Norm werden, dass man als Athletin das auch sagen kann — ohne dass skeptisch die Augenbrauen hochgehen."
— Kimi SchreiberDenn das, was Kimi beschreibt, ist keine Ausnahme. Es ist die Realität jeder Frau, die Sport treibt — ob ambitionierte Hobbysportlerin oder Profiathletin. Der Zyklus beeinflusst Leistung, Regeneration, Verletzungsrisiko und mentale Stärke. Jeden Monat. Und trotzdem gilt es vielerorts noch als unangenehmes Thema.
Kimi berichtet von ihrem Osteopathen: Wenn der gesamte Bereich im Unterleib während der Menstruation verharrt, wird die Durchblutung eingeschränkt — das beeinträchtigt messbar die Leistung. Keine Einbildung, sondern Physiologie.
Wie Kimis Trainer mit dem Zyklus umgeht
Was Kimi beschreibt, ist das, was wir uns für alle Sportlerinnen wünschen würden: ein Trainer, dem das Thema wirklich wichtig ist. Kimi trägt ein, wann ihre Periode beginnt und endet. Sie und ihr Trainer sprechen täglich darüber, wie es ihr geht. Und wenn sie merkt, dass Intervalltraining gerade nicht das Richtige ist — wird der Plan angepasst.
„Er hört in dieser Zeit komplett auf mich. Wenn ich sage, ich fühle mich nicht nach Intervallen, dann stellen wir den Plan um. Das ist wahnsinnig erleichternd — weil ich dadurch nicht das Gefühl habe, ich schaffe es nicht."
— Kimi SchreiberKein Druck, kein Durchziehen um jeden Preis. Stattdessen: zuhören, anpassen, besser werden. Kimis Erfahrung zeigt, dass zyklusorientiertes Training im Hochleistungsbereich nicht nur möglich ist — sondern funktioniert. Und dass es endlich auch im Breitensport ankommen sollte.
Folge 6 jetzt anhören
Das vollständige Gespräch mit Kimi Schreiber