Eine Hörerin schrieb uns — anonym — dass sie sich unsicher ist: Hat sie einfach PMS, oder ist es schon PMDS? Genau diese Frage nehmen wir in dieser Folge auseinander. Denn es gibt einen wesentlichen Unterschied. Und dieser Unterschied ist wichtig — für das eigene Verständnis, aber auch dafür, sich die richtige Hilfe zu holen.

Vorab: Wir sind keine Medizinerinnen. Wer ernsthaft an PMDS leidet oder den Verdacht hat, sollte unbedingt zur Frauenärztin gehen. Was wir tun können: Bewusstsein schaffen und aufklären.

PMS und PMDS — zwei verschiedene Dinge

PMS
Prämenstruelles Syndrom
  • Hauptsächlich körperliche Symptome
  • Unterbauchschmerzen, Migräne
  • Wassereinlagerungen
  • Brustschmerzen oder Brustspannen
  • Tritt kurz vor der Menstruation auf
  • Belastend, aber im Alltag handhabbar
PMDS
Prämenstruelle Dysphorische Störung
  • Psychische Veränderungen im Vordergrund
  • Starke Stimmungsschwankungen
  • Erhöhte Reizbarkeit und Aggressivität
  • Depressive Verstimmungen, Gefühle von Ausweglosigkeit
  • Angst und Nervosität
  • Rückzug aus dem sozialen Leben
3–8%
aller Frauen im gebärfähigen Alter sind von PMDS betroffen — das entspricht weltweit Millionen Frauen. Seit 2022 ist PMDS als eigenständiges gynäkologisches Krankheitsbild in der WHO-Klassifikation ICD-11 erfasst. Im amerikanischen Diagnosesystem DSM-5 wurde es bereits 2013 aufgenommen. In Deutschland wurde die ICD-11 schrittweise eingeführt. Bei schweren Fällen wird PMDS auch medikamentös — unter anderem mit Antidepressiva vom SSRI-Typ — behandelt. (Quellen: DGPFG, Springer Gynäkologische Endokrinologie, ICD-11)

Warum man es ernst nehmen muss

Das Problem war lange — und ist es teilweise heute noch — dass Frauen mit PMDS-Symptomen abgestempelt werden. "Die ist labil." "Die kriegt den Kram." Wer in den Tagen vor der Menstruation nicht gut drauf ist, wird zu schnell abgetan. Dabei handelt es sich um ein anerkanntes Krankheitsbild, das Frauen jeden Monat erheblich belastet.

„Hört auf euren Körper. Und lasst euch von niemandem reinreden, der das abtut. Die haben nicht recht. Punkt."

— Simone Reuthal

PMDS tritt vor allem in der zweiten Zyklushälfte auf — also nach dem Eisprung bis zur nächsten Menstruation. Die Symptome verschwinden mit dem Einsetzen der Blutung. Das ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen psychischen Erkrankungen.

Was PMDS auslösen kann

Die genauen Ursachen werden noch erforscht. Fest steht: Hormonschwankungen spielen eine wesentliche Rolle. Besonders anfällig sind Phasen, in denen sich der Hormonhaushalt stark verändert — beim Absetzen oder Beginnen der Pille, in der Schwangerschaft oder nach der Geburt. Auch anhaltender Stress und ein veränderter Lebensstil können PMDS-Symptome begünstigen.

„Dieses immer wiederkehrende 'geht schon' — ach hier nehme ich eine Ibu, wird schon wieder. Stop it. Das ist keine Dauerlösung."

— Verena Roscher

Was helfen kann

Erste Schritte bei starken Symptomen

Sport ist grundsätzlich hilfreich — auch bei PMDS. Aber nicht als Leistungseinheit, sondern als Ausgleich. Moderate Bewegung kann Symptome lindern, weil sie das Wohlbefinden und die Serotoninausschüttung positiv beeinflusst. Der Körper braucht in dieser Phase Fürsorge, nicht Druck.

Folge 10 jetzt anhören

PMS, PMDS und der ehrliche Umgang mit dem eigenen Körper