Was fällt dir ein, wenn du das Wort "Hormone" hörst? Pille? Pubertät? Pickel? Gereiztsein? Das ist verständlich — aber es ist nur ein winziger Bruchteil von dem, was Hormone wirklich leisten. Sie sind die wichtigsten Botenstoffe unseres Körpers und steuern seit der Geburt wesentliche Abläufe: Schlaf, Energielevel, Stimmung, Verdauung, Haut, Hunger — und natürlich den Zyklus.
Wenn Hormone aus dem Gleichgewicht geraten, spüren wir das überall. Diese Folge ist ein Überblick: was Hormone sind, wie der weibliche Hormonzyklus im Detail funktioniert — und die Antwort auf eine überraschende Frage: Haben Männer eigentlich auch einen Zyklus?
Was Hormone wirklich steuern
Hormone werden vor allem in Drüsen gebildet — Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse, aber auch in Organen wie der Niere. Über den Blutkreislauf verteilen sie sich im ganzen Körper und übermitteln zusammen mit dem Nervensystem Nachrichten an jede Zelle. Ihr Einflussbereich ist enorm:
Östrogen gehört bei Frauen zu den wichtigsten Hormonen überhaupt. Es nimmt Einfluss auf den Körperbau, die weiblichen Geschlechtsorgane und — besonders bedeutsam — auf das seelische Gleichgewicht. Wenn Östrogenmangel vorliegt, entstehen Hitzewallungen, Schlafstörungen und Depressionen. Das sind typische Symptome der Wechseljahre, über die wir in einer eigenen Folge noch ausführlich sprechen werden.
Der weibliche Hormonzyklus — die drei Phasen
Von der Pubertät bis zur Menopause durchläuft eine Frau monatlich denselben Hormonzyklus. Der Körper bereitet sich dabei auf eine mögliche Schwangerschaft vor — Monat für Monat, ob wir das wollen oder nicht. Wir teilen den Zyklus in vier Phasen ein — die biologische Grundstruktur besteht aus drei:
Der Progesteronspiegel sinkt, die Gebärmutterschleimhaut wird weniger durchblutet und abgestoßen. Beginn des neuen Zyklus.
Östrogen niedrig, FSH und LH steigen. Das Eibläschen wächst heran. Zwischen Tag 12 und 14 erfolgt der Eisprung — die fruchtbaren Tage.
Nach dem Eisprung steigen Östrogen und Progesteron wieder an. Die Gebärmutterschleimhaut bereitet sich auf die Einnistung vor. Ohne Befruchtung beginnt der Zyklus neu.
Wir teilen in Winter, Frühling, Sommer und Herbst — weil diese Bilder helfen, den eigenen Rhythmus zu verstehen. Alle Details in den Folgen 1–5.
Haben Männer auch einen Zyklus?
Eine Frage, die eine Freundin von Simone gestellt hat — und die überraschend ist: Ja, Männer haben auch einen Hormonzyklus. Nur dauert ihrer nicht 28 Tage, sondern 24 Stunden.
„Deshalb sind Männer manchmal morgens so gut drauf — und abends dann nicht mehr."
— Simone ReuthalRegelrechter Energieschub. Männer sind in der Vormittagszeit am leistungsstärksten — sowohl körperlich als auch kognitiv.
Das Hormonhoch flacht ab. Männer werden ruhiger, entspannter, weniger antriebsstark.
Testosteron auf dem Tiefpunkt. Oxytocin — das Bindungs- und Kuschelhormon — steigt. Männer werden müde, ruhig, verbindungsorientiert. Es sei denn, Sport, Sex oder andere Aktivitäten kurbeln die Testosteronproduktion erneut an.
Faszinierende Entdeckung: Männer, die schon länger in festen Beziehungen leben und einen Kinderwunsch haben, passen ihren Hormonzyklus unbewusst an den Zyklus ihrer Partnerin an — Testosteronhochs fallen dann in deren fruchtbare Phasen. Die Natur denkt mit.
„Hormone sind keine Frauensache — auch wenn es immer so dargestellt wird. Sie steuern uns alle, jeden Tag, rund um die Uhr."
— Verena RoscherFolge 9 jetzt anhören
Hormone, der weibliche Zyklus und der 24-Stunden-Rhythmus der Männer