Wir tragen unsere Female-Performance-Coach-Zertifikate mit Stolz — und nutzen sie. In dieser Folge geht es nicht mehr um Grundlagen, sondern um das, was ihr wirklich braucht: konkrete Trainingsempfehlungen für jede Zyklusphase. Was geht, was nicht, und warum.

Wichtig vorab: Das hier ist ein Leitfaden, kein starres Programm. Jeder Körper ist individuell. Aber die Orientierung an den eigenen Phasen kann den Unterschied machen — zwischen frustrierenden Trainings, die partout nicht funktionieren, und Einheiten, die einfach fließen.

Die vier Phasen — konkrete Trainingstipps

Menstruation — Winter
ca. Tag 1–5
Ausdauer
  • Lockeres Joggen statt Tempoläufe
  • Spazierengehen als vollwertige Option
  • Kürzere Distanzen, niedrige Intensität
Kraft
  • Moderatere Gewichte wählen
  • Weniger Sätze als gewohnt
  • Stretching und Mobilität einbauen

Wer in dieser Phase trotz Schmerzen mit Ibuprofen weitermacht, riskiert langfristige Folgen — bis hin zum Ausbleiben der Menstruation.

Follikelphase — Frühling
ca. Tag 6–12
Ausdauer
  • HIIT und Intervalltraining möglich
  • Längere Distanzen, höheres Tempo
  • Regeneration läuft schneller ab
Kraft
  • Schwere Gewichte, Hypertrophietraining
  • Muskelzuwachs wird begünstigt
  • Persönliche Bestleistungen anpeilen

In dieser Phase ist eine messbare Leistungssteigerung möglich. Wer über mehrere Zyklen konsequent in der Follikelphase intensiver trainiert, verbessert Kraft und Ausdauer nachweislich.

Eisprung — Sommer
ca. Tag 13–16
Ausdauer
  • Reguläre Einheiten beibehalten
  • Bei intensiven Einheiten: Kohlenhydrate während dem Training zuführen
Kraft
  • Normale Gewichte und Intensität
  • Technik und Koordination betonen
  • Auf Körpersignale achten

Studien zeigen ein leicht erhöhtes Verletzungsrisiko an Bändern rund um den Eisprung durch den hohen Östrogenspiegel. Gründliches Aufwärmen ist in dieser Phase besonders wichtig.

Frühe Lutealphase — Frühherbst
ca. Tag 17–21
Ausdauer
  • Moderate Intensität weiter möglich
  • Körpergefühl als Richtschnur nehmen
Kraft
  • Östrogen und Progesteron noch erhöht
  • Anabole Wirkung nutzen — extra Protein zuführen
  • Progesteron wirkt gelenkstabilisierend

Zu Beginn der Lutealphase gibt es noch eine Hochhormonphase — Östrogen und Progesteron sind beide erhöht, was den Muskelaufbau weiter begünstigt.

Späte Lutealphase — Spätherbst
ca. Tag 22–28
Ausdauer
  • Lockere, moderate Einheiten
  • Kein Halbmarathon, kein Vollgas
  • Spaziergänge und Stretching zählen
Kraft
  • Gewichte reduzieren
  • Weniger Sätze, höhere Wiederholungen
  • Aktive Regeneration priorisieren

Hormone fallen ab, Entzündungsneigung steigt, Regeneration verlangsamt sich. Hier hilft kein Durchbeißen — die Energie wird intern gebraucht.

Das Wichtigste dahinter

Es geht nicht darum, plötzlich nur noch halb so viel zu trainieren. Es geht um Anpassung — nicht um Aufgabe. Wer fit ist und einen stabilen Trainingsrhythmus hat, macht keine extremen Sprünge. Der Unterschied liegt in den Nuancen: ein bisschen weniger Gewicht, ein bisschen weniger Intensität, ein bisschen mehr Zuhören.

„Der Schwerpunkt wird in der Menstruation einfach verlagert — erstmal auf die Gesundheit. Was eigentlich immer Priorität haben sollte."

— Verena Roscher

Wer seinen Zyklus trackt, trainiert besser. Um das Training an den Zyklus anpassen zu können, muss man wissen, wann man in welcher Phase ist. Eine Tracking-App ist der einfachste Weg — sie gibt einen Überblick über Phasen, Symptome und Muster. Eine eigene Folge über Tracking-Apps und Methoden folgt.

„Ich merke, wenn das Training besonders gut läuft, und denke dann: In welcher Phase bin ich gerade? Und dann ergibt alles Sinn."

— Simone Reuthal

Folge 14 jetzt anhören

Zyklusorientiertes Training in der Praxis — Phase für Phase